Bericht über Seminar Fairplay, März 2012

Vielen Dank an Esther Delp, die sich bereit erklärt hat, einen kleinen Bericht aus Teilnehmersicht über unser Seminar im März zu schreiben :) Ganz lieben Dank dafür!

Esther & Jasper

Esther & Jasper

Seminarrückblick von Esther Delp

Vom 9.-11. März 2012 fand das Seminar „Fairplay – Spiel, Spaß und Motivation“ in der Nähe von Neustadt/W. statt. Organisiert und durchgeführt wurde das Seminar von Hundetraining Teamarbeit, ein gemeinschaftliches Projekt der Trainerinnen Esther Follmann und Mirjam Aulbach. Esther und Mirjam wurden von Petra Techert begleitet, die ihm Rahmen ihrer CumCane Trainerfortbildung auf diesem Seminar hospitierte.

Mirjam & Petra

Mirjam & Petra

Los ging es am Freitag mit einem ausführlichen und hochinteressanten Theorieteil. In einer wunderbar konzentrierten, aber dennoch entspannten Atmosphäre machte das gemeinsame Lernen und Arbeiten richtig Spaß. Mirjam und Esther stellten die komplexen Sachverhalte rund um das Thema Spiel sehr verständlich und anschaulich dar.

Zu Beginn wurden die Schlagwörter Motivation, Bedürfnisse und Verstärkung ge- bzw. erklärt. Im Laufe des Abends bekamen wir immer wieder Aufgaben gestellt und konnten uns so Teile der Theorie aktiv erarbeiten. Eine der Aufgaben war es, eine Bedürfnisliste des eigenen Hundes aufzuschreiben. Dies führte direkt zum nächsten Themenfeld des Vortrags, den Belohnungskategorien. Insgesamt gibt es 6 unterschiedliche Kategorien – soziale Verstärker, Futter, Spiel, Sicherheit, Entspannung und Verhalten ausüben – aus denen man seinen Hund belohnen kann. Je nach Situation und Bedürfnis des Hundes ist es wichtig, eine Belohnung aus der passenden Kategorie zu wählen, um so aus der Belohnung einen Verstärker zu machen.

Theorieabend

Theorieabend

Dann kamen wir zum Kern des Seminars – dem Verhaltenssystem Spiel. Zum caniden Spiel ist bisher kaum geforscht worden und es gibt dementsprechend auch nur wenig wissenschaftlich fundiertes zu dem Thema. Das die Referenten des öfteren darauf hinwiesen und auch immer betonten, wenn sie sich nicht auf wissenschaftlich abgesicherten Terrain befanden, war eines der herausragenden Qualitätsmerkmale des Seminar. Sicher ist, dass Spiel verschiedene Funktionen hat, wie z.B. die Entwicklung motorischer Fähigkeiten zu unterstützen. Des weiteren fördert Spiel den flexiblen Umgang mit Neuem und ist auch soziales Training.

Canides Spiel benötigt neben einem sicheren Umfeld auch die richtige Stimmung – eben eine Spielstimmung. Um in Spiellaune zu sein müssen grundlegende Bedürfnisse, wie z.B. die eben erwähnte Sicherheit, befriedigt sein.

Das Verhaltenssystem Spiel besteht aus vielen einzelnen Verhaltensweisen aus verschiedenen Bereichen. Erkannt werden kann Spiel an spezifischen Spielsignalen, wie z.B. den Spielbogen. Ein weiteres Erkennungsmerkmal von Spiel ist, dass Objekte und Spielpartner als etwas anderes behandelt werden, als sie wirklich sind und Mimik und Bewegungen werden oft übertrieben gezeigt.
Innerhalb eines Spiels findet ständig eine Kommunikation zwischen den Spielpartnern statt – die sogenannte Metakommunikation – in der sich die Spielpartner gegenseitig mitteilen, dass es „nur“ Spiel ist. Je mehr Wechsel der Rollen und auch der Funktionskreise zu beobachten sind, desto sicherer ist das, was man sieht, Spiel. Je weniger man dies beobachten kann und je einseitiger die Interaktion gelagert ist, desto eher droht das Spiel zu kippen.

Beobachtungsübung - freies Spiel

Beobachtungsübung - freies Spiel

Ein weiterer wichtiger Punkt des Vortrags war die Frage, warum viele Hunde nicht mit ihren Menschen spielen. Oft liegt das einfach daran, dass den Hunden die Spielabsicht gar nicht klar ist. Helfen kann in diesen Fällen der Aufbau einer klaren Spielkommunikation – wobei an dieser Stelle auch wichtig zu erwähnen ist, dass natürlich jedes Mensch-Hund-Team von einer klaren (Spiel-)Kommunikation profitiert. Neben dem Aufbau von Spielsignalen ist eine weitere Kommunikationsmöglichkeit das Bestätigen von gutem Spielverhalten durch ein Markersignal oder durch eine verbale Rückmeldung. 

Im Idealfall fängt ein Spiel weder abrupt an noch hört es plötzlich auf, sondern ein gemeinsames Spiel hat einen schönen Spannungsbogen und sollte aus einem Vorspiel, Hauptspiel und Nachspiel sowie der freundlichen Ankündigung des Spielendes bestehen.

Nach diesem tollen, spannenden und unterhaltsamen Theorieabend ging es am nächsten Morgen mit der Praxis weiter und das erworbene Wissen konnte gleich erprobt und vertieft werden.

In einer ersten Runde sollte jedes Mensch-Hund-Team so zusammen spielen, wie sie es immer machen. Die Aufgabe der Seminarteilnehmer, die nicht an der Reihe waren, war es, das Spiel zu beobachten und danach zu sagen, was einem alles Tolles aufgefallen war. Positive Verstärkung auch für die Zweibeiner – eine klasse Idee!

In den nächsten Spiel-Runden gab es eine abwechslungsreiche Mischung aus verschiedenen Spielvarianten, wie z.B. ein Lauerspiel mit einer Stoffmaus, bei dem man ganz nebenbei auch lernte, aufmerksam auf die Körpersprache des Hundes zu achten. Dann lernten wir noch eine tolle Futterspielvariante kennen und zum Abschluss des Tages gab es eine absolut spannende Aufgabe für jedes Mensch-Hund-Team. Man sollte fünf Mal tolles Verhalten des Hundes markern und dies dann aus den unterschiedlichen Kategorien belohnen. Einfach toll, wenn Theorie und Praxis so ineinander übergehen.

Wir hatten arg viel Spaß!

Wir hatten arg viel Spaß!

Der zweite Tag begann dann gleich mit einer Herausforderung, die von allen Teams mit Bravour gemeistert wurde – Aufgabe war es, „nackt“, also ohne Gegenstand, mit seinem Hund zu spielen. Es war absolut faszinierend, wie unterschiedlich die einzelnen Teams zusammen gespielt haben.
In der nächsten Runde wurde bei einem Zerrspiel begonnen, ein Spielsignal aufzubauen. Auch wurde darauf geachtet, die Hunde nach dem teilweise recht wilden Spiel wieder zu entspannen.

Danach gab es dann ein Spiel unter „Muttersprachlern“. Es wurden unterschiedliche 2er bzw. 3er Gruppen zusammengestellt und die jeweilige Klein-Gruppe wurde gemeinsam aus den Autos geholt. Schon nach kurzer Zeit gab es die ersten Spielaufforderungen, die mit Begeisterung angenommen wurden. Während dem Hund-Hund-Spiel wurden die Vierbeiner ganz großartig von ihren Menschen unterstützt. Es wurde tolles Spielverhalten gemarkert und gelobt und wenn mal etwas Spannung aufkam, wurden die Hunde mit ihrem Entspannungssignal unterstützt.

Und am Ende der Spielrunde konnten sich alle Hunde ganz wunderbar aktiv von ihren Menschen, in Anwesenheit der anderen Hunde, entspannen lassen – das war richtig klasse und sehr beeindruckend. 

Zum Abschluss des Tages lernten wir dann noch, wie man ein Objekt, dass der Hund nicht so spannend findet, interessanter machen kann und es gab tolle Spiele mit Objektwechsel zu sehen.

Der Mix aus Theorie und Praxis, aus selbst spielen und aktiv beobachten, aus lernen, lachen und (mit seinem Hund) Spaß haben, war perfekt. Esther Follmann und Mirjam Aulbach führten mit viel Sachverstand, Wissen und Humor durch das Seminar. Besonders hervorzuheben ist, dass auch auf Themen, die eher am Rand des eigentlichen Seminarinhalts lagen, kompetent eingegangen wurde.
Ein weiterer ganz großer Pluspunkt war, dass auf die besonderen Bedürfnisse der Vierbeiner sowie auf den jeweiligen „Spielstatus“ der einzelnen Teams mit einer ganz großen Selbstverständlichkeit Rücksicht genommen.

Fundiertes, vielfältiges Wissen, verständlich und kompetent aufbereitet und dazu eine richtige Wohlfühl-Atmosphäre – oder mit anderen Worten: Ein perfektes Seminar mit fantastischen Referenten, sehr sympathischen Menschen und tollen Hunden. Besser kann man ein Wochenende nicht verbringen.

Übrigens, tolle Bilder von diesem wunderbaren Seminar gibt es hier bei Flickr und bei Markus Eissler (http://www.markus-eissler.blogspot.de/) zu sehen.

Jasper

Jasper