“Click for Blick”

Definition…

Click for Blick ist eine Formulierung, die man häufiger findet und die oft etwas völlig anderes meint. Für mich bedeutet sie erst mal: der Hund wird geclickt, in dem Moment, in dem er etwas ansieht – und nichts anderes.

Das magische Click

Das Click des Clickers kündigt einem Hund, der mit diesem Werkzeug vertraut ist, zuverlässig eine Belohnung an und löst damit eine positiv gestimmte Erwartung aus.

Herr Bach

Herr Bach - erwartungsvoller Blick nach dem Click.

Der Click löst  nachgewiesenermaßen einen Ausstoß  sogenannten Glückshormonen im Körper aus. Vereinfacht gesagt hebt das die Stimmung und kann Erregung mindern. Je mehr Erfahrung der Hund mit dem Clicker hat, desto mehr wird der Clicker auch zu einem Signal für Zusammenarbeit mit seinem Menschen, für Sicherheit.

Kurz gesagt: der Click löst die Erwartung auf eine Belohnung aus, hebt die Stimmung, vermittelt Sicherheit und kann den Hund – zumindest teilweise -  umorientieren auf seinen Menschen.

Einstieg bei Aggression- und Angstverhalten

Den Clicker können wir in gleich zwei Hinsichten nutzen – wir können die Stimmung in einer Situation verändern (klassische Konditionierung) und wir können erwünschtes Verhalten in einer Situation verstärken (operante Gegenkonditionierung & “differentielle Verstärkung”). Dies ist ein erster, wichtiger Schritt, um gerade an Angst- oder Aggressionsverhalten zu arbeiten.

In diesem Fall bedeutet „Click for Blick“ nichts anderes, als das ich den Anblick des Auslösers des Verhaltens mit einem CLICK belege. Auf dieses folgt sofort eine Belohnung folgt, sofern der Hund diese annehmen kann. Manchmal scheint der Hund in diesen Situationen nicht auf den Click zu reagieren – hier wird trotzdem geclickt. Vielleicht kann er sich noch nicht lösen von dem Auslöser, in seinem Inneren – ungesehen von uns – findet aber trotzdem eine erste Stimmungsveränderung statt.

In der Praxis – Beispiel: Leinenspektakel

Eigentlich ist es schnell erklärt! Ein Hund, der an der Leine mit großem Getöse auf andere Hunde reagiert, wird angeclickt für jedes Ansehen des “Feindes”. Idealerweise sucht man für dieses „Click for Blick“ immer eine Distanz, in der der Hund wenig reagiert, so dass er gut aufnahmefähig ist für das Training. Im Alltag ist das nicht immer möglich – deshalb sollte nicht darauf verzichtet werden. Wie schon beschrieben kann der Click, auch ohne dass der Hund für uns sichtbar reagiert, eine Verbesserung auslösen.

Kimba

Kimba, Angstseminar mit Esther Follmann

Die Belohnung nach dem Click sollte für den Hund passen und entsprechend der Situation sehr hochwertig sein.

Sehr futtermotivierte Hunde können mit einem sehr beliebtem Futter belohnt werden. Besonders bietet sich hier eine Futtertube an, aus der der Hund das Futter herausschleckt. Das verlängert die Belohnungsequenz und beruhigt manche Hunde ein wenig.

Spiel ist für viele Hunde in so einer Situation nicht möglich – wenn doch, sollte es angeboten werden, allerdings in Form eines relativ ruhigen Spieles, um die Erregung nicht allzu sehr zu steigern.

Jeder Hund hat seine eigenen Vorlieben, deshalb können an der Stelle auch keine Belohnungen vorgeschrieben werden.

Und was nie fehlen sollte – die Stimme und Stimmung der Bezugsperson. Ein freundliches Loben, ein ruhiges Sprechen wirkt auf sehr viele Hunde positiv! Direkt nach dem Click beginnen wir damit, angenehme Stimmung zu machen.

Belohnungsmöglichkeit

Hunde gehen nicht gerne frontal aufeinander zu und suchen häufig eine ganz eigene Distanz, in der sie andere Hunde oder Menschen friedlich passieren. An der Leine ist das oft nicht möglich. Trotzdem können wir diese Neigung als Belohnung einsetzen – der Hund wird für ein ruhiges Hinsehen geclickt und wir laufen gemeinsam mit ihm einen Bogen. Das Vermeiden des Feindes oder der Bedrohnung ist gerade bei Angstverhalten die passendste Belohnung!

Die Art, wie wir die Belohnung geben, kann die Situation für unseren Hund erleichtern. Idealerweise geben wir die Belohnung immer weg vom “Feind”, so dass der Hund sich ein wenig von diesem lösen muss und seine Körperhaltung verändert.

Verstärken wir damit die Angst oder Aggression?

Diese Frage kommt sehr häufig und die Antwort ist ein klares NEIN. Angst und Aggression sind negativ gefärbte Emotionen. Wir können diese negativ gefärbten Emotion nicht verstärken, in dem wir die Stimmung verbessern und positive Emotion schaffen.

Herr Bach

Herr Bach

Unangenehme Emotionen können nicht durch Belohnungen verstärkt werden! Ein Hund kann mittels Belohnung nicht aggressiver werden. Unterscheiden müssen wir zwischen Emotion und Verhalten. In – eher seltenen Fällen kann es passieren, dass ein sehr pfiffiger Hund merkt „Wenn ich den anderen Hund anbelle, bekomme ich ja eine tolle Belohnung“. Damit haben wir keinen Fehler gemacht, sondern sogar einen sehr großen Schritt erreicht! Der Hund zeigt das Verhalten nicht mehr aus der Aggression oder Angst heraus, sondern in Erwartung einer Belohnung von uns. Das ist eine völlig andere Motivation und Ausgangslage. Übrigens sieht dieses Bellen auch ganz anders aus, als aggressives Bellen. Jetzt ist es ein leichtes, dem Hund beizubringen: ja, du kannst dir eine tolle Belohnung verdienen, aber schau mich dafür lieber an, statt den anderen Hund anzugröhlen.

Die Tür öffnen…

Das Ganze ist nur ein Fuß in der Tür. Mit „Click for Blick“ alleine kommt man sehr schnell an eine Grenze, deshalb sollte es wirklich nur als Türöffner verwendet werden und nicht als Dauerlösung. Hunde brauchen einen Handlungsrahmen für solche Situationen, sie müssen wissen, was sie tun können. Sie müssen ein alternatives Verhalten lernen. Das Verändern der Emotion ist ein wichtiger Trainingsteil – aber eben nur ein Teil – der uns den Weg dahin ermöglicht und vereinfacht.

Quellen und mehr

Clickertraining ist mehr, als nur Tricktraining und im Einsatz bei problematischen Verhaltensweisen extrem effektiv! Erfreulicherweise arbeiten immer mehr Menschen mittlerweile mit Clicker auch außerhalb des eher “klassischen” Bereichs des Tricktrainings. Mit Markersignalen – nichts anderes ist der Clicker – in diesem Bereichen zu arbeiten, ist nichts neues. “Zeigen und Bennen“, für welches ‘Click for Blick’ einen tollen Einstieg bietet, ist ein fester Bestandteil des Syn Alia Training System® welches von Kayce Cover entwickelt wurde. Kayce Cover arbeitet seit über 30 Jahren mit Tieren – damit zählt SATS nun wirklich nicht mehr zu “neumodischen” Techniken.  Ute Blaschke-Berthold von CumCane® leitet den Beginn von „Zeigen und Bennen“ ebenfalls häufig mit ‘‘Click for Blick’’ an. Mittlerweile finden sich immer mehr ähnliche Anleitungen. Beispielsweise im Buch „Click to Calm“ von Emma Parson und „Control Unleashed“ von Leslie McDevitt.